27.07.26 CSD Hattingen - Mahnwache zum Anschlag auf den CSD am 25.07.26

Liebe Leser unseres Blogs,
der Anschlag auf den CSD in Berlin am vergangenen Samstag (25.07.26) erfüllt mich mit tiefer Betroffenheit und Abscheu.

Eine Frau ist tot, viele Menschen sind verletzt – körperlich und seelisch.  

Meine Gedanken sind bei den Opfern und bei den Angehörigen, die in diesen Tagen unermessliches Leid tragen.

Gewalt gegen Menschen, die friedlich zusammenkommen, ist und bleibt ein Verbrechen.

Ich mache keinen Hehl daraus: Von der Queer-Bewegung als politischer und ideologischer Strömung halte ich nichts.

Viele ihrer Forderungen und Deutungen teile ich nicht, und ich sehe in Teilen davon auch problematische Entwicklungen.

Doch das ändert nichts an einer grundlegenden Wahrheit:  

Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde – unabhängig von seiner sexuellen Orientierung oder Identität.

Niemand ist weniger wert, weil er anders lebt als die Mehrheit.

Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten, solange er anderen keinen Schaden zufügt.

Dieses Recht gilt für alle – und es darf nicht durch Terror und Gewalt außer Kraft gesetzt werden.

Wer Menschen angreift, weil sie so sind, wie sie sind, greift die Grundlagen unserer freien Gesellschaft an.

Deshalb gilt es, Mitgefühl zu zeigen und gleichzeitig klar zu bleiben:

ich verurteilen die Tat, ich stehe den Opfern bei – und ich behalte mir das Recht, Ideen und Bewegungen kritisch zu bewerten.

Nur weil ich eine Idee nicht mag oder verstehe, hasse ich nicht den Menschen der sie hat oder wünsche diesem Menschen schlechtes. Letztendlich sind wir alle gleich und werden nackt geboren.

Die Mahnwache selbst war angemessen und ruhig. Wie man im Video sehen kann, nahmen zahlreiche Menschen an der Trauerfeier teil. Viele von ihnen waren mir bekannt.

Von den Rednern hätte ich mir etwas mehr Tiefe und Inhalt gewünscht – darauf gehe ich im Folgenden noch ein.

Es kam zu einem Vorfall mit einem jungen Mädchen. Sie sprach mich an und bat mich weinend, sie nicht zu filmen, weil sie Angst habe. Das ist im Video zu hören; aus Respekt ist das Mädchen selbst nicht zu sehen. Ich sagte ihr, dass das kein Problem sei und ich sie nicht filmen würde. Gleichzeitig erklärte ich, dass sie dann nicht direkt auf die Kamera zulaufen sollte und dass es sich um eine öffentliche Veranstaltung handele. Das Mädchen ging daraufhin weinend von mir weg, suchte Hilfe bei Teilnehmern und der Polizei, setzte sich an die Rathauswand und wurde von einem Ordner betreut und anschließend in einen „Safespace“ gebracht (zu sehen auf dem unteren Bild).

Man sieht im Video deutlich, kurz bevor Alex Marvin spricht, dass ich, sobald ich mich nach links wende und das Mädchen an der Hauswand sitzen sehe, sofort wieder nach rechts schwenke. Wenn ich sage, dass es kein Problem ist, auf eine Person Rücksicht zu nehmen, dann meine ich das genau so.

Die Polizei das Mädchen und dessen Begleiter zu Hilfe holten, wollte meine Personalien, die ich selbstverständlich herausgab. Danach durfte ich meine Arbeit ungehindert fortsetzen, wie man im Video sehen kann.

Das Mädchen scheint ganz andere Probleme zu haben, wenn es weint, obwohl sein Wunsch, nicht weiter gefilmt zu werden, erfüllt wurde. Wenn mich ein Mädchen weinend bittet, es nicht zu filmen, tue ich selbstverständlich mein Möglichstes, diesem Wunsch nachzukommen.

Ich bin nicht so wie die Dame weiter unten im Bild, die mich minutenlang ungefragt im Porträt filmte. Das führt mich zu dem Punkt, dass die Polizei-Tür in beide Richtungen schwingt: Porträtaufnahmen ohne Einwilligung können rechtlich problematisch sein. Menschen von ihrer Arbeit abzuhalten und die Polizei aufgrund selbst konstruierter Behauptungen einzuschalten, ist eine Straftat. Alkohol zu einer Mahnwache mitzubringen ist mindestens asozial und möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit.
Ich hätte den Teilnehmern und Organisatoren Unannehmlichkeiten bereiten können. Es gab einiges was man hätte beanstanden können, es gab ja auch mehr als eine Flasche Bier. 
Aber keine Panik, ich bin kein Mensch der anderen ans Bein pissen möchte. Ich stehe nebenbei auch drüber.
Ich möchte lediglich möglichst neutral aber auch faktenbasierend berichterstatten und das auf jeder Seite. 


Herr Ugur,  
Sie haben sich sehr darüber gefreut, dass Sie mir auf dem CSD einen „FCK AFD“-Aufkleber andrehen konnten. Genau genommen haben Sie mir vier geschenkt und dann drei wieder abgenommen. Das ist eigentlich sehr unhöflich – ich hätte sie gerne behalten.

Aber ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen, die Ihre Freude darüber etwas trüben wird.

In der Serie „Bones – Die Knochenjägerin“ gab es einen Fall mit Obdachlosen, die in der Kanalisation lebten. Booth musste einen von ihnen verhören. Dieser Mann war in der Kanalisation so etwas wie ein Präsident. Booth hat diesen Status zunächst nicht anerkannt, weshalb es erst einmal kein Verhör gab. Bones erklärte ihm daraufhin, dass man den König unter den Obdachlosen als König anerkennen muss – weil er in seiner Welt der König ist.

Ich war in Ihrer Welt, und dort sind Sie der König und ich war der Bittsteller.  
Was tut man, wenn man Respekt hat und sein Gegenüber anerkennt? Man respektiert die Regeln. Und solange man sich selbst nicht verrät und sein Gegenüber nicht belügt, trägt man auch die Farben – in diesem Fall einen infantilen „FCK AFD“-Aufkleber.

Finden Sie es nicht auch übergriffig eine Person zu nötigen die Neutralität aufzugeben und einen Aufkleber zu tragen?

Aber nun zu Ihrer heutigen Rede.

Ich möchte Ihnen Ihre Trauer und Anteilnahme nicht nehmen oder in Abrede stellen.  

Doch weshalb sprechen Sie nicht über den Täter, der erschossen wurde?  
Warum ist das ein Angriff auf die Queer-Community und die Demokratie?  
Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie Ähnliches über vergleichbare Taten öffentlich gesagt haben. Bitte korrigieren Sie mich, sollte ich falsch liegen.

Sie haben gesagt, dass vor wenigen Wochen ein Zeichen für Vielfalt gesetzt wurde.  
Sie liefen vorne weg bei der Demo und riefen „Ganz Hattingen hasst die AfD“.  
Erstens stimmt das nicht – die AfD sitzt doch jetzt neben Ihnen, also mag sie wohl jemand.  
Viel wichtiger aber ist das Wort „Hass“. Ich dachte, Sie hassen nicht. Und weshalb müssen Sie jeden mit dieser Parole mit einbeziehen? Sprechen Sie jetzt für alle Hattinger?

Ich mag die AfD nicht, aber hassen tue ich sie auch nicht.  
Hass macht dumm und hässlich.

Sie sprachen auch heute wieder von Toleranz und Vielfalt.  
Heteros als weniger lebensfroh zu bezeichnen und Menschen aufgrund von Sexualität oder sogar Geschlecht zu bewerten, ist genau genommen das Gegenteil dessen, wofür der CSD eigentlich steht.

Weshalb sprechen Sie eigentlich nicht über den großen rosa Elefanten im Raum?  
A) Ich kann ihn nicht sehen – das Trompeten ist so laut.  
B) Ich glaube, das ist Otherkin Herbert, der sich heute als rosa Elefant fühlt.

Aber in Zeiten der Trauer halte auch ich inne und belasse es hierbei.

Ich wünsche Ihnen aufrichtig alles Gute und viel Kraft, um den Schock, den Sie und Ihre Community erlitten haben, zu verarbeiten.


Frau Witte-Lonsing,
ich möchte mich nicht unnötig für die Leserschaft wiederholen. An Sie richte ich daher dieselben Worte und Fragen wie an Herrn Ugur.

Explizit an Sie möchte ich jedoch folgende Frage stellen: Weshalb brauchen queere Menschen unseren Schutz? Warum sagt man nicht einfach „Menschen benötigen Schutz“? Und vor wem genau benötigt die queere Community diesen Schutz – und vor welcher konkreten Gefahr?

Es wäre hilfreich, wenn dies einmal exakt benannt würde.

Ich werde Sie in Kürze kontaktieren und um ein kurzes Interview bitten.


Lex,
ich kann nachvollziehen, wie Sie über Ihre/die Organisation des CSDs sprechen und freue mich für Sie, dass er so verlaufen ist, wie Sie es sich vorgestellt haben. Ihre Gefühle bezüglich des Anschlags teile ich selbstverständlich. Allerdings sollten Sie nicht von „Instrumentalisierung“ sprechen. Indem Sie den rosa Elefanten im Raum ständig ignorieren und stattdessen blaue Elefanten verantwortlich machen, fördern Sie genau die Probleme, die Sie selbst gerade ansprichen.
Vielleicht ergibt sich ja mal ein Gespräch – vor der Kamera oder abseits davon – über die Community.


Frau Gräfling,
wir begegnen uns hin und wieder im Bus. Vielleicht sprechen Sie mich einfach mal an. Ich habe nämlich eine Frage an Sie: Waren Sie auch auf Mahnwachen für andere Opfer von Anschlägen oder sonstigen Gewalttaten?

Hallo, Sie alleine,
es tut mir leid, aber wenn mir ein Kartoffelsack aus dem Telefonbuch vorliest, hat der Kartoffelsack mehr Emotion als die Dame.Eine Frage habe ich dennoch: Sie sind also wütend darüber, dass man auf einem CSD über Schutzmaßnahmen sprechen muss. Weshalb sind Sie nicht wütend darüber, dass man bei jeder Veranstaltung jetzt über zusätzlichen Schutz sprechen muss – und das nicht erst seit Samstag?

Finden Sie nicht auch das auch ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt zB die selbe Bedeutung für unsere Freiheit usw hat oder ist das nur dem CSD vorbehalten?


Alex Marvin,
wie glauben Sie, die Problematik zu lösen? Glauben Sie, es macht Sinn, Menschen, die davor gewarnt haben, weiterhin als Nazis zu betiteln, wie es einige aus Ihrer Community tun? Macht es Sinn, jemanden einzuladen, der kein Interesse an LGBTQ hat? Können Sie den rosa Elefanten im Raum sehen?

Ich weiss das ich ein verdammt geiles Stück DNA Ende der 40er bin. Aber es wäre wirklich sehr freundlich wenn man mich vorher fragen würde wenn man mich gezielt minutenlang im Portrait filmt und wenn die Dame nicht verheiratet oder anderweitig vergeben ist darf sie selbstverständlich eine Aufnahme machen. Ich möchte nur nicht für eine Trennung verantwortlich sein.

Hier sieht man das Bier von dem ich schrieb. Etwas unangebracht alkoholisiert und mit Alkohol im Gepäck auf eine Mahnwache zu gehen wenn man mich fragt.

Das Video auf YouTube:
https://youtu.be/dlgDUOdkNOw?is=susgVRetmZXiN5q6

Bericht von:
Norman M.