Heute in Recklinghausen: Eine Demo mit Tobias Voss
Heute war ich in Recklinghausen auf einer Demonstration, die von Tobias Voss angemeldet und geleitet wurde.
Tobias Voss, geboren 1992 in Dorsten, war bis 2019 ein erfolgreicher Kampfsportler. Er trainierte Thaiboxen, Boxen und Muay Thai und brachte es bis zum deutschen Meistertitel – und sogar zum Weltmeister. Eine beeindruckende Karriere, die vielen Respekt abverlangt.
Dann kam ein persönlicher Wendepunkt in seinem Leben, auf den er selbst und auch die Gegendemonstranten heute eingegangen sind. Das entsprechende Video dazu findet ihr auf unserem Kanal.
Tobias Voss konvertierte zum Islam und heiratete eine afrikanische Frau. Gemeinsam haben die beiden ein Kind. Heute engagiert er sich als politischer Aktivist und hat die heutige Demonstration in Recklinghausen organisiert und angeführt. Ich war als Berichterstatter vor Ort.
Zur Demo selbst gibt es wenig zu erzählen, was die Kamera nicht bereits eingefangen hat. Umso mehr hat mich jedoch der persönliche Eindruck von Tobias Voss beschäftigt.
Mein Eindruck von Tobias Voss
Herr Voss wirkte auf mich wie ein sympathischer, offener und respektvoller Mensch. Natürlich kann man aus einer kurzen Begegnung keine endgültigen Schlüsse ziehen – aber sein Verhalten und vor allem die spontane Szene mit seinem Vater haben diesen Eindruck verstärkt.
Voss senior hielt voller Stolz ein Foto seines Enkels in die Kamera. Man sah ihm die pure Freude und den Großvaterstolz förmlich an – er war regelrecht euphorisch. Auch bei Tobias Voss selbst war deutlich spürbar, wie sehr ihn sein kleiner Sohn mit Stolz erfüllt. Diese herzliche, familiäre Seite hat mir sehr gefallen.
Ein kritischer Punkt
Trotz dieses positiven Eindrucks möchte ich einen Aspekt kritisch anmerken: Ich halte es für falsch, die Antifa pauschal über einen Kamm zu scheren.
Ich selbst komme aus dem altlinken Spektrum – ich war und bin Punk mit anarchistischem Einschlag. Das habe ich Tobias Voss vor unserem Treffen bewusst nicht gesagt. Dennoch bin ich überzeugt, dass er mich auch dann respektvoll behandelt hätte.
Für mich, der die 80er und 90er Jahre miterlebt hat, war Punk und Antifaschismus noch eine wertebasierte Haltung – etwas ganz anderes als das, was man heute oft darunter versteht. Wenn Tobias Voss pauschal von „niedrigem Niveau“ bei der Antifa spricht, trifft das nicht nur die heutigen Aktivisten, sondern auch viele alte Linke und Punks wie mich. Das empfinde ich persönlich als schmerzhaft.
Der Wunsch nach Dialog
Leider hat sich heute keine Gelegenheit für ein längeres Gespräch ergeben, da ich zeitlich stark eingeschränkt war. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, würde ich sehr gerne mit Tobias Voss ein offenes Gespräch für unseren Kanal führen. Mir liegt viel daran, meine Kritikpunkte persönlich anzubringen – vor allem aber, um den Dialog zu fördern, der in unserer polarisierten Zeit viel zu selten stattfindet.
Ich bin zuversichtlich, dass Herr Voss sich die Zeit dafür nehmen würde. Im Gegensatz zu manchen anderen Personen aus dem linken Spektrum, die mir bereits abgesagt haben, weil ich auch mit der AfD spreche.
Ich spreche grundsätzlich mit jedem Menschen – unabhängig davon, ob mir seine Meinung gefällt oder nicht. Mir geht es darum, den Menschen zu sehen, nicht nur die Ideologie.
Bericht von:
Norman M
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