Isenburger Fehde und des Fluchs der Burg:Die Sage vom „Verrat am Hohlweg“
Es heißt, dass der Bau der Burg Blankenstein auf einem blutigen Fundament steht. Der Legende nach war der eigentliche Herr der Region, Friedrich von Isenberg, ein stolzer Ritter, der auf der nahegelegenen Isenburg thronte. Doch der Streit mit seinem Cousin, dem Erzbischof Engelbert von Köln, eskalierte.
In einem dunklen Hohlweg bei Gevelsberg wurde der Erzbischof im Jahr 1225 von Friedrichs Männern überfallen und getötet. Die Sage erzählt, dass Friedrich von diesem Moment an verflucht war. Er floh, doch seine geliebte Isenburg wurde dem Erdboden gleichgemacht.
Der „Blanke Stein“ als Mahnmal:
Als Graf Adolf von der Mark – ein Verwandter, der jedoch auf der Seite des Gesetzes stand – den Auftrag erhielt, das Gebiet zu sichern, wählte er den nackten, „blanken“ Felsen gegenüber der zerstörten Isenburg.
Man erzählt sich, dass man in stürmischen Nächten vom Bergfried der Burg Blankenstein hinüber zur Ruine der Isenburg blicken kann. Dort soll manchmal ein geheimnisvolles Leuchten zu sehen sein – der Geist Friedrichs, der dazu verdammt ist, sein verlorenes Erbe zu bewachen und den Bau der Burg Blankenstein als Zeichen seiner Niederlage ewig vor Augen zu haben.
Ein kleiner „Bonus-Mythos“: Der Geheimgang
Wie bei vielen alten Burgen gibt es auch in Blankenstein die Legende vom verborgenen Fluchttunnel. Es wird erzählt, dass ein tiefer Gang unter der Ruhr hindurch bis zum Haus Kemnade oder sogar bis zur Ruine der Isenburg führt.
Zwar haben Archäologen nie einen solchen Tunnel gefunden (geologisch wäre ein Tunnel unter dem Flussbett der Ruhr zur damaligen Zeit fast unmöglich gewesen), aber die Einheimischen hielten die Geschichte über Jahrhunderte lebendig – besonders in Zeiten von Belagerungen, wenn man sich fragte, wie Vorräte in die Burg gelangten.
Historische Fakten auf einen Blick
Burg Blankenstein: Festung über dem Ruhrtal
Die Burg Blankenstein, auf einem markanten Felsrücken (dem „blanken Stein“) hoch über der Ruhr gelegen, zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Wehranlagen im heutigen Ruhrgebiet. Ihre Geschichte ist eng mit dem Aufstieg des Hauses Mark und einem der spektakulärsten Kriminalfälle des Mittelalters verknüpft.
1. Gründung und strategischer Kontext (1226)
Die Entstehung der Burg im Jahr 1226 war eine direkte Folge der Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert von Berg durch Friedrich von Isenberg (1225). Nach der Zerstörung der nahegelegenen Isenburg durch Kölner Truppen nutzte Graf Adolf I. von der Mark die Gunst der Stunde.
Um seinen neu gewonnenen territorialen Einfluss zu sichern, ließ er am 12. Mai 1226 den Grundstein für ein „festes Haus“ auf dem unbewaldeten Felsrücken legen. Die Burg diente fortan als:
- Grenzbefestigung gegen das Erzbistum Köln.
- Kontrollpunkt über die Ruhrfurt und wichtige Handelswege.
- Verwaltungssitz (Amt Blankenstein) für das Umland.
2. Blütezeit und die „Freiheit“ (13. – 15. Jahrhundert)
Unter Graf Engelbert I. wurde die Anlage in der Mitte des 13. Jahrhunderts massiv ausgebaut. In dieser Zeit entstand vermutlich auch der charakteristische quadratische Bergfried.
Im Schatten der Burg entwickelte sich eine Siedlung, die „Freyheit Blankenstein“. 1355 bestätigte Graf Engelbert III. den Bewohnern weitreichende Privilegien, was den Ort wirtschaftlich stärkte. Blankenstein gehörte zu den vier Hauptburgen der Grafschaft Mark (neben Altena, Wetter und Volmarstein).
3. Niedergang und „Schleifung“ (16. – 17. Jahrhundert)
Mit dem Aufkommen von Feuerwaffen verlor die Burg ihre militärische Bedeutung. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde sie mehrfach von verschiedenen Truppen (Spaniern, Holländern, Hessen) besetzt und stark beschädigt.
Das endgültige Ende der mittelalterlichen Festung kam 1662:
- Der Befehl: Der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg ordnete den Abriss (die „Rasierung“) an, um keine Basis für feindliche Truppen mehr zu bieten.
- Zweitverwendung: Die Steine der Burg wurden teilweise abgetragen und für den Ausbau des nahegelegenen Wasserschlosses Haus Kemnade genutzt.
4. Historismus und heutige Nutzung
Erst im 19. Jahrhundert erwachte das Interesse an der Ruine neu. Im Zuge der Burgenromantik und des Historismus wurden Teile der Anlage wieder aufgebaut. 1860 erwarb der Kaufmann Gustav vom Stein das Gelände und errichtete eine Gaststätte sowie Fabrikgebäude.
1922 kaufte die Stadt Bochum die Burg für den symbolischen Preis von einer Reichsmark – ein Besitzverhältnis, das bis heute besteht, obwohl die Burg geografisch in Hattingen liegt.
Historische Fakten auf einen Blick
Quellenhinweis: Die historischen Daten stützen sich auf die Chroniken der Stadt Hattingen, die Dokumentation der Altertumskommission für Westfalen (LWL) sowie die Bestände des Stadtmuseums Hattingen.
Bericht von
Norman M.